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Look-alikes und Stimmimitatoren von Jörg Haider für die Wiener Festwochen- Produktion „New BOEMIAN GASTARBEITER OPERA“ gesucht
Produktionszeitraum: Mai – Juni 2012. Wir bitten um Ihre aussagekräftige Bewerbung mit audiovisuellen Unterlagen bis 16.05.2012 an die Adresse: boem(at)postism.org. Die Endauswahl im Rahmen einer öffentlichen Probe, am 16. Mai 2012 um 20:30 Uhr im BOEM*.
Öffentlicher Probenparcours
TREFFPUNKT BOEM*, Koppstraße 26, 1160 Wien
terminE
AKT I 30. April, 20.30 Uhr
AKT II 11. Mai, 20.30 Uhr
AKT III 16. Mai, 20.30 Uhr
AKT IV 20. Mai, 11.30 Uhr
AKT V 25. Mai, 20.30 Uhr
Eintritt frei
Doku-Performance Akt I–V
Spielort WUK
PREMIERE 2. Juni, 20.30 Uhr
FOLGETERMINE 3., 5., 6. Juni, 20.30 Uhr
Preis EUR 19,-
In den 1970er Jahren schufen jugoslawische Künstler in München eine erste „Gastarbeiteroper“. Heute, 35 Jahre später, muss wohl die gesamte österreichische Migrationsdebatte und insbesondere die Situation der Migranten aus dem ehemaligen Jugoslawien als eine einzige große Gastarbeiteroper angesehen werden. Alexander Nikolic und sein BOEM* erzählen sie, und kreieren ein neues, zeitgenössisches Werk.
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Die Gastarbeiteroper ist eine Baustelle. Auf dieser Baustelle sind wir die Poliere und die Lehrlinge des Geschmacks. Stück für Stück bauen und stückeln wir sie zusammen. Pfusch natürlich. Es wird schon gehen, das wird schon halten. „nema problema“ oder „ima problema“ (Wiener Baustellenesperanto für: Es gibt Probleme – es gibt keine Probleme)? Die Vorlage (ein ganzes Land: Jugoslawien) und die Subjekte (die Gastarbeiter) sind uns abhandengekommen.
Abhandengekommen sind uns auch etwa 100 jugoslawische Arbeiterklubs in Wien. In einer Gemeinschaft wo die Zukunft schon stattgefunden hat, Gott tot war, und die Amen und Omen der brüderlichen Einigkeit gesprochen wurden, sind wir Archäologen und legen Sedimente frei. Die Klubs lagen damals in den Kellern. Mittlerweile sind wir aufgestiegen in das „Jugoeckkaffeehaus“. Ins BOEM*.
Peripher. Demokratisch, und oft auch ethnisch eindeutig. Anscheinend hat der Sozialismus den politiklosen Arbeiter geschaffen. Ohne Kenntnisse der Sprache kann mensch trotzdem das beste Auto Europas bauen und alle Museen putzen. Ins Eckkaffee kann mensch auch mit dreckigen Händen kommen. Sauber bleibt da niemand. Sterben und begraben werden möchte ich lieber hier. Das sagt die Kellnerin.
Am Krieg sind wir zerbrochen. Die schönsten Scherben sind in Wien. Rund um das BOEM* setzen wir sie zu einem schillernden Mosaik zusammen. Das Mosaik, die Fragmente des Zerbrochenen, was wir finden: stellen wir im WUK aus. In der Form unserer Oper. Keiner von uns war jemals in der Oper. Da passiert nichts. Hier schon.
In fünf Akten gewahren wir Einblick in die Suche. Beurteilen die Scherben. Manche sind so scharf, dass wir sie in ein anderes Medium verfrachten. Gut das unsere Handschuhe nicht aus Samt sind.
In seiner Einleitung in die Musiksoziologie plädierte Theodor Adorno dafür, über das Verhältnis der Musik zu den Klassen nachzudenken. Seine These, wonach die Musik in ihrem inneren Ausdruck bereits als ein gesellschaftlicher Antagonismus strukturiert ist und keinerlei zusätzlicher Klassenanalyse bedarf, führt uns zum aktuellen Paradoxon: Zur Gastarbeiteroper. Sie widerlegt Adorno, nach dem der Klassenkampf die innere Struktur jeder Musik bildet, vor allem die der Oper. Die Gastarbeiteroper stellt nämlich einen Pol des Klassenantagonismus in den Vordergrund: den Gastarbeiter, eine Figur aus der peripheren Klassenposition der sechziger und siebziger Jahre der europäischen Geschichte. Der Gastarbeiter ist ein Phantom des Klassenantagonismus, eine Art Unterklasse des Arbeiters, ein temporarer Arbeiter, der abwesend und anwesend zugleich ist: anwesend für die Arbeit, abwesend fürs Leben. Genau genommen bildet er den äußersten Punkt der Entfremdung des Arbeiters: Er hat das Recht auf Arbeit, er hat kein Recht auf das Leben. Diese geradezu periphere Figur der europäischen Geschichte wird heute zu ihrer zentralen Kategorie, denn die Arbeiter des heutigen Europas genießen in doppelter Hinsicht den Gastarbeiterstatus: als temporäre Gaste des Kapitals; diesem absolut fremd. Arbeiter zu sein bedeutet heute, ein Fremder zu sein.
AKT I: 30. April, 20.30 Uhr, BOEM*, Eintritt frei
Aufbruch – Aneignung I Lecture-Performance
Einführung Das BOEM* ist ein typisch ex-jugoslawischer Ort, mit allen seinen Aspekten. Schmuddelig, oder mit viel Patina. Gebraucht. Seit mehr als einem Jahrzehnt, bekannt als „Jugokaffeehaus“, welches in Kombination mit Baufirmen betrieben wurde. Ein typisches Wiener Eckcafé. Die Nebenräume dienten als Büro, Lager und Werkstatte, auch für die Baufirma. In den Räumlichkeiten herrschte ein reges Treiben, hinter dem Pult standen immer Frauen, oft die einzigen Frauen, die die Bauarbeiter an einem Tag zu sehen bekamen, oder mit denen sie sich austauschen konnten. Oft wurden die Arbeiter auch im Café ausbezahlt. Regelmäßig mussten verschiedene von Migranten geführte Firmen kooperieren, um größere Auftrage auch exekutieren zu können. Somit war meist nicht nur der Café-Raum, sondern auch der Lagerraum den meisten Gästen zugänglich.
AKT II: 11. Mai, 20.30 Uhr, BOEM*, Eintritt frei
Lebt und arbeitet in Wien Vernissage
Der Name ist Programm. Was ist Kunst, wo und wie stehen unsere Gastarbajteri im Zusammenhang mit zeitgenössischer Kunst und Kultur? In dieser Ausstellung werden die hauptsächlich migrantischen Gäste und NutzerInnen des BOEM* zu KuratorInnen, Künstlerinnen, kurz gesagt zu den tragenden Akteuren der Ausstellung „lebt und arbeitet in Wien” und der Appropriation des 2. Aktes der Gastarbajter Opera revisited. Mit unserem Topos, der produktiven Auseinandersetzung mit zeitgenössisch inspirierten Diskursen über Partizipation in der Kunst/Politik, setzen wir auch darauf, das Kunstverständnis „der Anderen“ zu kennen. Ohne Kenntnis des Feldes keine Übersetzung. Eine Erweiterung des Raumes in mehrere Richtungen – und jede/-r muss sich bewegen.
AKT III: 16. Mai, 20.30 Uhr, BOEM*, Eintritt frei
Jörg Haider Casting Superstarshow
Look-alikes und Stimmimitatoren von Jörg Haider für die Wiener Festwochen- Produktion „New BOEMIAN GASTARBEITER OPERA“ gesucht. Produktionszeitraum: Mai – Juni 2012 Wir bitten um Ihre aussagekräftige Bewerbung mit audiovisuellen Unterlagen bis 30.04.2012 an die Adresse: boem@postism.org Die Vorauswahl findet in der ersten Maiwoche statt. Die Endauswahl im Rahmen einer öffentlichen Probe, am 16. Mai 2012 um 20:30 Uhr im BOEM*.
AKT IV: 20. Mai, 11.30 Uhr, Treffpunkt BOEM*, Eintritt frei
Gastroguerilla Picknick Exkursion
Geben Sie uns keinen Korb, aber bringen Sie einen mit. Der Ausflug hängt vom Wetter ab. Keine Angst, Reisepass müssen Sie nur mitnehmen, wenn sie Ausländer sind. Decken und leicht transportierbare Sitz- und Liegegelegenheiten sind sehr willkommen. Um den Rest kümmern uns wir. Wetterabhängige Intervention im öffentlichen Raum, zwecks Koordination wird möglichst um Anmeldung gebeten unter boem@postism.org
AKT V: 25. Mai, 20.30 Uhr, Treffpunkt BOEM*, Eintritt frei
BEST OF: rekapitulacija : New BOEMIAN GASTARBEITER OPERA – Neue Tendenzen – retrodiscoflashmob! Follow: #jugodiskoflashmob Großes Finale
U speak Twitter? Keine Angst. Hier wird Lärm gemacht und gesungen. Tauchen Sie ein in den für Sie unbekannten popkulturellen Kosmos der Anderen. Bewegen Sie sich auch unerwartet aber synchronisiert, gemeinsam mit uns. Kollektive Tendenzen müssen nicht zur Hysterie führen. Ein subversiver Ausblick.
DOKU-PERFORMANCE AKT I–V: 2., 3., 5. , 6. Juni, 20.30 Uhr, WUK, Preis 19 Euro
Konzept, Künstlerische Leitung, Inszenierung / Alexander Nikolic
Spielort
WUKSpieltage
02.06.12 20:30Preise
EUR 19,-Sprache
DeutschDauer
1 Std. 20 Min., keine PausePUblikumsgespräch
3. Juni, im Anschluss an die Vorstellung, WUK